Unsere Geschichte

Die Geschichte der Schlaraffia Augusta Trevirorum
 Die Herrengesellschaft Schlaraffia gibt es in Trier schon seit fast 119 Jahren, jedoch ist sie den Trierern zum großen Teil nicht bekannt. An dieser Stelle soll allen Schlaraffen und den interessierten Internetnutzern diese Geschichte, ihre Herkunft und Entwickung über die Jahrzehnte hinweg veranschaulicht werden.
1898

Es war Frühherbst und der Redakteur  Albert Grimm der Trierer Zeitung bummelt durch das von der Abendsonne vergoldete Trier, um sich in der Weinstube „Cafe Bauer“ in der Fleischstrasse 62, seinem Stammlokal, mit ein paar Freunden zum Abendschoppen zu treffen. Der Fotograf Emmerich Hamann, der bekannte Architekt Carl Walter, Herr Armand Schmidt, Inhaber eines Juweliergeschäftes, der Buchhändler Carl Schäffer und zwei neue Stammtischherren, der Architekt Valentin Schweikert, der erst kürzlich aus Baden-Baden nach Trier gekommen war und der Apotheker Adolf Lengemann, der aus Coburg zugereist war, sind schon anwesend und Herr Grimm wird vom diensteifrigen Kellner, Herrn Pieper, ins „Kolleg“ geführt. Sie schlürfen genüsslich ihren Mosel, einen 1890er Eitelsbacher, Spätlese und rauchen mit Andacht ihre Virginia.

So beginnt der weiland Ritter Schnipperdolling II seine Chronik über die Entstehung der Schlaraffia in Trier. Während dieser denkwürdige Abend voranschreitet und die Runde immer ausgelassener wird, erkennen die Herren Schweikert und Lengemann, dass sie – obwohl aus verschiednen Orten – einem gemeinsamen Bund angehören, nämlich dem Bund „Schlaraffia“, fallen sich in die Arme und beginnen den anderen Anwesenden von Schlaraffia zu erzählen.

Die anderen Herren zeigen Interesse und beginnen sich für den Bund zu erwärmen. Das war im Gegensatz zu den vorhandenenVereinen, Domchor, Orchesterverein, Casinogesellschaft, Liedertafel und Karnevalsverein doch etwas ganz anderes. Man müsste einen eigenen Verein gründen, schlug Herr Schweikert vor.

Mit feststehenden Spielregeln festen Terminen und einem festen Standort. „Und ohne Frauen!“ schlug Herr Grimm vor, der innerlich schon beschlossen hatte Mitglied zu werden. Auf die Frage nach dem Sinn dieses Vereins erläutert der Herr Schweikert, dass natürlich die Freundschaft im Vordergrund stehen müsse. Und dann noch die Kunst, fügte der Buchhändler Schäffer hinzu. Selbstverständlich dürfe auch der Humor nicht zu kurz kommen, meinte Herr Lengemann.

Man könnte diesen Abend im Cafe Bauer als die Geburtsstunde der Schlaraffia in Trier bezeichnen. Als sich dann auch noch die beiden Herren mit ihren schlaraffischen Namen vorstellen – Herr Schweikert ist in der „Aurelia Aquensis“ der Ritter Walthari und Herr Lengemann der Ritter Pepsin des Reiches „Kyborgia“.

Fasziniert von dem Gedanken das Rittertum im Spiele zu pflegen hätten die Herren am liebsten sofort mit der Vereinsgründung begonnen. Doch noch ein weiteres Jahr sollte vergehen, bis die lose Gemeinschaft der Gleichgesinnten zur „Coloney“ erhoben wurde. Und am 20. Februar 1900 – dem schlaraffischen Jahr 41 – sollte dann endlich die Reichsgründung erfolgen.

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In den ersten Jahren nach der Reichsgründung hatte das Reich zahlreiche zu- und Abgänge zu verzeichnen, insgesamt war das Interesse unter der Bevölkerung jedoch recht groß und der Mitgliederstand nahm kontinuierlich zu und verdoppelte sich in den nächsten 3 Jahren.

Leider ist dies die letzte Aufnahme der Mitglieder des Reiches vor der „Uhufinsteren Zeit“, der Zeit der Herrschaft des Naziregimes.Am Samstag, dem 30. September fand in der Moselburg im Christlichen Hospiz in der Nordallee 13 die letzte „offizielle“ Sippung statt. Auf dem Thron saßen damals die Ritter Mars, Treuwart und Arion, jener Arion, der heute Ehrenschlaraffe unseres Reiches ist, damals ein in ganz Deutschland bekannter Komponist und Trierer Domorganist. Die Partei forderte die freiwillige Auflösung der Schlaraffia, denn diese war inzwischen international geworden und in Nord- und Südamerika waren Reiche gegründet worden, was natürlich den Geheimdiensten ein Dorn im Auge war.

Die Schlaraffenpässe wurden an diesem Tage nochmals verlängert und den Mitgliedern wieder ausgehändigt, obwohl man zum Schein die freiwillige Auflösung beschlossen hatte, denn es bestand doch eine kleine Hoffnung, dass die Auflösungsverfügung zurückgenommen werden könnte. Deshalb wurden auch die Würdenträger alle in ihren Ämter bestätigt. Sie fungierten als Platzhalter.
Jedoch im Februar1937 war es endgültig zu Ende.

Ritter Arion war es beschieden das Reich restlos aufzulösen und von dem vollzogenen „Befehl“ pflichtschuldigst Mitteilung zu machen. Nun wurde das gesamte Inventar unter den Sassen aufgeteilt und konnte zu größten Teil auch über die Bombennächte gerettet werden.

Geblieben war nach Kriegsende:
1. Das Reichsbanner
2. Die Herrlichkeitsketten ( von denen heute noch zwei vorhanden sind )
3. Die Amtsketten für  Kanzler, Junkermeister, Marschall, Ceremonienmeister, Schatzmeister
4. Ein Thronsessel (steht heute noch auf dem Thron )
5. Die Reichsmatrikel
6. einige wenige Kleinigkeiten.

Der letzte Kassenbestand wurde verprasst, das heißt in  Labung und Atzung verwandelt und die auf dem Konto verbliebene eine Reichsmark pflichtgemäß der NS-Volkswohlfahrt überwiesen. Daraufhin konnte auch der Schatzmeister, Rt. Navigator entlastet werden.

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Der Ritter Arion, profan Karl Werding, wurde – wegen seiner großen Sachkenntnis und Bekanntheit -vom Reichsender Frankfurt mit einer musikalischen Sendereihe betraut. Er wollte aber kein Parteimitglied werden und war somit für das Regime untragbar. Das war 1936. Viele Freunde wandten sich ab, aber die meisten Schlaraffen unterstützten ihn. Er ritt erst 62-jährig am 1.6.1942 gen Ahall.

Als man ein paar Jahre nach dem Ende des Krieges versuchte die Schlaraffen wieder zu versammeln, zählte man gerade noch 5 Sassen in Trier. Aber man kam zu keinem Entschluss das Reich wieder zu erstehen zu lassen. Erst a.U 91, dem profanen Jahr 1950, nahm Ritter Schnipperdolling mit der Moguntia Verbindung auf. Diese sagte Hilfe und Unterstützung zu. Der Pate des Ritter Schnipperdolling, Ritter Navigator, wurde von ihm aufgesucht und dieser verständigte sich mit dem Ritter Nimmermüd. Und so beschlossen diese drei, die Schlaraffia in Trier wieder auferstehen zu lassen. Belmonte und Minnetreu wurden zum Kommen aufgefordert und am 19.12.1950, kurz vor Weihnachten, trafen sich die fünf in der Winzerstube „Zur Krim“ in der Glockenstrasse und dort wurde beschlossen am 20.Februar a.U.91 (1951), genau 50 Jahre nach der Gründung die Schlaraffia zu neuem Leben zu erwecken.
Zu dem entscheidenden Treffen wurde durch den Ritter Schnipperdolling auch der Ritter Putz eingeladen, so dass an jenem 22.12.1950 (a.U. 91) sechs Schlaraffen zusammenkamen und den Gründungsbeschluß fassten. Die Moguntia hatte, als Unterstützer des Vorhabens, den Ritter Schnipperdolling noch zu einem Gespräch auf den 30.12.1950 eingeladen, um letzte offene Fragen klären zu können. Doch OHO schlug wieder einmal in dem ungünstigsten Moment zu und zwang Ritter Schnipperdolling aufs Krankenbett. Am 10. Februar 1951 ritt er gen Ahall, knapp zwei Wochen vor dem Termin zur Wiederbegründung. Ritter Belmonte, der einst Junkermeister des Verstorbenen war, sah es als Verpflichtung an, dessen Vorhaben zu erfüllen.

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Zur Feier der Wiederaufrichtung des Reiches und dem 50. Stiftungsfest gab es noch viel zu tun. Die zwölf Aufrechten planten und schufteten die ganze Sommerung. Am 15.9.1951 war es dann soweit.

28 Reiche waren eingeritten, um an diesem denkwürdigen Fest teilzunehmen. Gesippt wurde bis in die frühen Morgenstunden. Das neue, alte Reich bestand wieder! inder Stammrolle a.U. 93/94 führte das Reich bereits 18 Ritter, 2 Junker und 4 Knappen auf. Es ging aufwärts.

A.U. 109 war die Sassenschaft auf 15 geschrumpft. Auch die Burgen waren in den letzten Jahren einem häufigen Wechsel unterworfen.

Hier eine kurze Aufzählung:

a.U. 92/93  Gasthof Neutor, Südallee
93  Gasthof Rasch, Dietrichstrasse
93/94  Goldener Stern, Hauptmarkt
94/95  Im Domstein, Privatzimmer 1. Stock
95  Kulmbacher Eck/Römerstuben, Südalle
95  Martinsmühle
97/98  Villa Lucas, Nordallee, Casino
103/112  Gasthof Neutor
112/118  Gasthof Blesius Garten, Olewig
118/124  Pfarrhaus Trier Irsch (bei Rt. Dom Camillo)
124/132  Haus Wilms, Trier Olewig
133/        SMW Sektkellerei Gilbertstrasse
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In dieser Burg sippen wir nun schon 18 Jahre und es ist, wie mir scheint, die schönste Burg, die wir hatten. Nicht zuletzt deswegen hat sich auch die Zahl der Einritte in den letzten Jahren ständig vermehrt und auch die Zahl der Sassen nahm stetig zu. derzeit sind es 22 Ritter, 3 Knappen und 2 Prüflinge.

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